StartseiteKursaktivitätenExkursion nach Auschwitz (2001)

"Der Tod ist ein Meister aus Deutschland"

Reisereportage zur Exkursion im Jahr 2001
von Claudia Günther, Anja Wippler und Michael Höhme

Fotodokumentation
von Anne Bieberstein

Die Reisereportage "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" wurde 2003 im Rahmen des Wettbewerbs "Denkt@g im Internet" von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet.

Fotos von der Preisverleihung am 27.01.2003 in Berlin (übergeben wurden die Preise durch Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth / Fotos: Anje Krieger)

Hier der dazugehörige Presseartikel:

Verpflichtung, das Leichentuch der Nation zu lüften

"Nach der Selektion auf der Rampe wurden die Todgeweihten in den Auskleideraum geführt, danach sofort in einen Duschraum. Uns allen ist klar, dass aus den Brausen an der Decke niemals Wasser floss. Bis zu 1000 Menschen starben innerhalb von 15 bis 20 Minuten qualvoll unter dem Einfluss des Zyklon B."

Das Wortkleid des Unfassbaren verhüllt nichts. Völlig nackt blicken die Sätze dem Leser ins Auge. Anja Wippler, Claudia Günther und Michael Höhme haben sie in einer Reisereportage verfasst und mit Fotos von Anne Bieberstein unterstrichen. Die Jury war begeistert. Zum dritten Mal hat die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung den Jugend-Wettbewerb "Denkt@g im Internet" veranstaltet; am Montag wurden die Preisträger in Berlin geehrt. Eine Reise nach Brüssel haben die ehemaligen Schülerinnen des Lessing-Gymnasiums und Michael Höhme, Lehrer für Deutsch und Geschichte, gewonnen.

Am Anfang stand die Provokation: "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" tauften die Autoren ihren Beitrag zum DenkTag. Ein Zitat aus Paul Celans Gedicht "Todesfuge", das der Jury den Schrecken in die Glieder trieb. Doch sie sei zugleich begeistert gewesen, von der Offenheit, mit der die heute 19-Jährigen und ihr Lehrer ihre Empfindungen beschrieben.

"Eine Woche lang sind wir im Oktober 2001 mit einer Gruppe aus Schülern und Lehrern in Polen gewesen", sagt Michael Höhme. Ziele der Exkursion waren nicht nur das Stammlager Auschwitz und das drei Kilometer entfernte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, sondern genauso ein Ausflug nach Krakau. "Mich hat die Größe Birkenaus beeindruckt", sagt Anne rückblickend. "Man schaute auf den Horizont, aber hat kein Ende gesehen." Die im Stammlager ausgestellten Bilder und Exponate - etwa Berge von Menschenhaar - sind Claudia im Gedächtnis haften geblieben. "Da viele meiner Schüler eine Schreibbegabung haben, kam uns die Idee, eine Reisereportage zu schreiben", so Höhme. Die Schulleiterin sei es schließlich gewesen, die dem Lehrer die Teilnahme am "Denkt@g im Internet" schmackhaft machte.

1996 rief der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus aus. Nicht, um einen weiteren staatlichen Feiertag ging es, mit offiziellen Reden, Kranzniederlegungen und Beileidsbekundungen. Genutzt werden soll dieser Tag, um junge Menschen zu erreichen. Schließlich liege beim Nachwuchs die Verpflichtung, dass der Holocaust, der wie ein Leichentuch auf der deutschen Nation liegt, nie wieder passieren kann. "Antisemitismus wächst in Europa wieder", warnte Prof. Dr. Rita Süssmuth, die Schirmherrin des Wettbewerbs, in ihrer Ansprache. Das Internet dürfe man nicht denjenigen überlassen, die rechtsradikale Parolen publizieren.

Trotz ihrer kreativen und künstlerischen Begabung: Keines der Mädchen hat das erfolgreiche Projekt im Berufsleben eingebunden. "Als Fotografin Geld zu verdienen", sagt Anne, "war ein Traum, den ich jetzt fallen gelassen habe." Seit einem halben Jahr studiert die junge Frau in Leipzig Medientechnik. "Geschichte machen viele", winkt Claudia ab. Sie studiert Englisch und Französisch auf Lehramt. Anja hält an ihrem Traum, Maskenbildnerin zu werden, fest. Im Herbst wird Michael Höhme erneut nach Polen fahren. Das Interesse seiner Schüler ist enorm.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Antje Krieger
29.01.2003


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