StartseiteKursaktivitätenVortrag Salomon Almekias-Siegl

Am gestrigen Nachmittag versammelten sich ca. 60 interessierte Schüler und Lehrer im Konferenzraum des Döbelner Lessinggymnasiums. Anlass dafür war der Besuch des sächsichen Landesrabbiners Salomon Almekias-Siegel. Im Rahmen des fächerübergreifenden Wahlgrundkurses "Jüdische Geschichte und Kultur" bot er in einer einstündigen Veranstaltung seinen Zuhörern einen interessanten Einblick in seine Arbeit.

Salomon Almekias-Siegel (links) -

Salomon Almekias-Siegl wurde 1946 in Marokko geboren. Nach seinem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Israel arbeitete er als Lehrer in England und Deutschland. Von 1995 bis 1997 war er in den Vereinigten Staaten als Rabbiner tätig. Seit Januar 1998 ist er Landesrabbiner von Sachsen. Als solcher kümmert er sich in den jüdischen Gemeinden in Dresden, Leipzig und Chemnitz vor allem um die Integration russischer Aussiedler: "Über 60 Prozent von ihnen sind ältere Menschen, die lange Zeit völlig assimiliert lebten. Jetzt müssen sie ihre Religion neu erlernen."

In seinen Gottesdiensten erklärt er deshalb sehr viel und versucht das nötige Wissen über die jüdische Religion und Kultur zu vermitteln. Das Interesse der Leute ist groß, so dass die Synagogen immer gut besucht sind. Derzeit gehören 1330 Menschen den drei Gemeinden in Sachsen an. Salomon Almekias-Siegl rechnet mit einem Anstieg auf 1800 bis Ende nächsten Jahres. Denn auch Jugendliche interessieren sich für ihre jüdischen Wurzeln: "Wir haben momentan Glück mit dem Nachwuchs."

Neben der Wiederbelebung der jüdischen Gemeinden in Sachsen liegt dem Rabbiner aber auch der Dialog zwischen Juden, Christen und Konfessionslosen am Herzen:

"Fast alle zwei Monate treffen wir uns mit Religions- und Ethiklehrern, um mit ihnen über Israel, das Judentum und seine gesamte Geschichte zu sprechen." Und dafür nahm er sich auch an diesem Nachmittag Zeit. Dabei erklärte er nicht nur die wesentlichen Unterschiede zwischen Judentum und Christentum sondern erläuterte auch jüdische Feste und deren historischen Hintergrund. Im Anschluß daran hatten die Schüler die Möglichkeit, ihm Fragen zu stellen. Auf die Frage, ob Juden Deutschen gegenüber Hass empfinden würden, antwortete er: "Es ist nicht Hass, sondern Enttäuschung und Trauer." Sicherlich sei es nachvollziehbar, dass Menschen, die ihre gesamte Familie im Holocaust verloren haben, das Land nicht gerne betreten. Aber es gäbe auch Juden, die trotzdem in Deutschland leben wollen, da sie hier aufgewachsen sind.

verfasst von: Claudia Günther

Bitte beachten Sie auch das
Interview mit dem sächsischen Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl
Das Interview wurde von Susann Kanigowski und Tino Lämmel im Schuljahr 2002/2003 durchgeführt.


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