StartseitePersönlichkeitenGeschichteRosa Luxemburg

„Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden.“
Dieser Satz Rosa Luxemburgs charakterisiert ihre Person mehr als alles andere auf dieser Seite

Biographisches

geb. am 5.März 1870 in Zamosc in Russisch-Polen

Tochter von Elias Luxemburg (wohlhabender Holzhändler) und seiner Ehefrau Line, geborene Löwenstein

erkrankt mit 4 Jahren an einem Hüftleiden, das aufgrund einer Falschbehandlung eine bleibende Gehbehinderung hinterlässt

lernt in dem Jahr der Erkrankung Russisch, Polnisch und Deutsch lesen und schreiben

mit 14 Jahren trat sie in das Zweite Frauengymnasium in Warschau ein, an dem sie im Sommer 1887 ihr Abitur macht

„wegen oppositioneller Haltung gegenüber den Behörden“ wurde ihr die für ihre hervorragenden Noten zustehende Goldmedaille verweigert

wegen drohender politischer Verfolgung verlässt sie Warschau, reist mit Hilfe eines Freundes heimlich in Deutschland ein und kommt 1889 nach Zürich, wo sie ihre erste große Liebe - Leo Jogisches – und u. a. Lenin, Paul Axelrod und Wera Sassulitsch kennenlernt

ab 1890 studiert Rosa Luxemburg Philosophie an der Züricher Universität, wechselt aber 2 Jahre später zum Studium der Nationalökonomie

sie hält sich ab 1893 in Paris auf, wo sie Chefredakteurin einer polnischen Zeitung (übersetzt: „Sache der Arbeiter“) wird

im Frühjahr des folgenden Jahres bildet sich die „Sozialdemokratische Partei des Königreichs Polen“ (SDKP), zu deren Mitbegründern Rosa Luxemburg und Leo Jogisches zählen

ab 1896 beginnt der Briefwechsel mit Karl Kautsky, an dessen „Neuer Zeit“ sie später mitarbeitet

ein Jahr später – im Jahr des Todes ihrer Mutter – schließt Rosa Luxemburg ihr Studium ab, woraufhin sie, um die preußische Staatsbürgerschaft zu erhalten, eine Scheinehe mit Gustav Lübeck eingeht und nach Berlin zieht (rechtmäßige Scheidung von Lübeck 1903)

1898 tritt Rosa der SPD bei und übernimmt für einen Monat die Chefredakteurstelle bei der „Sächsischen Arbeiterzeitung“ in Dresden

für die folgenden Jahre in Berlin sind im privaten Bereich vor allem der eineinhalbjährige Aufenthalt (ab 1900) Leo Jogisches, mit dem sie sich nach einem heftigen Streit ein Jahr zuvor wieder versöhnt hatte, die enge Freundschaft zu Luise Kautsky, in deren Nähe sie wohnte, und der Tod ihres Vaters 1900 zu nennen

politisch aktiv wird sie in Berlin besonders

„Sozialreform oder Revolution“ erscheint 1899

auf einem SPD – Parteitag in Stuttgart nimmt sie gegen den „Bernsteinschen Revisionismus“ Stellung

auf einem Parteitag in Hannover lernt sie Clara Zetkin kennen

sie hält einen Vortrag auf dem Kongress der 2. Internationale

Rosa arbeitet 1901 für 2 Jahre mit Franz Mehring zusammen als Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“

sie nimmt am Internationalen Sozialistischen Kongress in Amsterdam teil, bevor sie im August 1904 eine 3-monatige Haftstrafe wegen Majestätsbeleidigung bei einer Wahlrede antritt

die mit allen Kräften getätigte politische Arbeit und die staatliche Reaktion darauf in Form einer Haftstrafe werden symptomatisch für ihr Leben (1906: 4-monatiger Gefängnisaufenthalt nach Festnahme in Warschau)

1908 trennt sie sich von ihrer Jugendliebe Leo Jogisches und kommt für 1 Jahr mit Konstantin Zetkin zusammen

bis 1914 nimmt sie an verschiedenen Parteitagen der SPD teil, ist Delegierte der SDKP auf verschiedenen international-sozialistischen Kongressen, wird Dozentin an der Berliner Parteischule der SPD,unterstützt Streikbewegungen und veröffentlicht verschiedene Arbeiten (1908: „Einführung in die Nationalökonomie“; 1913: „Die Akkumulation des Kapitals“)



Als 1914 der 1. Weltkrieg ausbricht und die SPD-Fraktion am 4. August die Kriegskredite bewilligt, ist das wohl der schwärzeste Tag in Rosa Luxemburgs Leben. Es kommt ihr vor, als würde sich das gesamte deutsche Volk im Blutrausch befinden. Das erste Kriegsjahr stellt den größten Bruch in Luxemburgs Leben dar (deshalb auch der Bruch in dieser Darstellung!). Prophezeiend schreibt sie an Karl Liebknecht:

Rosa Luxemburg - und Karl Liebknecht auf dem Weg zum SPD-Parteitag 1909

„Gelingt es nicht, nach dem Kriege eine regelrechte und diesmal auch für den Kriegsfall ernst gemeinte Absage des internationalen Sozialismus an den Imperialismus und Militarismus unter allen ihren Vorwänden zu erreichen, dann kann sich der Sozialismus begraben lassen, oder er hat sich dann vielmehr schon selbst begraben. Die Klärung nach dem Kriege wird über das Sein oder Nichtsein des Sozialismus entscheiden.“

Am 18. Februar 1915 tritt sie erneut eine Haftstrafe von einem Jahr, diesmal in Berlin, an – sie war bereits im Februar des vorherigen Jahres verurteilt wurden. Doch man hatte sie wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes einige Zeit von der Haft verschont.
Im April des Jahres 1915 erscheint trotz ihrer Inhaftierung die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Internationale“, an der sie mitgearbeitet hatte und die sofort nach ihrer Veröffentlichung verboten und beschlagnahmt wird. Am ersten Januar 1916 - 21 Tage vor Rosa Luxemburgs Entlassung- versammelt sich die „Spartakus-Gruppe“ zum ersten Mal. Bei der daraufhin improvisierten 1. Maifeier in Berlin wird Karl Liebknecht – ihr langjähriger Freund und Mitarbeiter – verhaftet und zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Am 10. Juli des gleichen Jahres wird sie selbst in „Schutzhaft“ genommen und muss Aufenthalte in verschiedenen Gefängnissen über sich ergehen lassen, bis sie im November 1918 von revolutionären Arbeitern befreit wird und nach Berlin zurückkehrt.

Sie hätte es nie gewagt, sich, trotz dass ihr jede politische Debatte verhasst war und ihr „ihre Kohlmeisen und Gänse mehr Wert waren als ihre Genossen“, vom politischen Geschehen fernzuhalten. Also arbeitet sie an der wiedererscheinenden Spartakisten-Zeitung „Rote Fahne“ mit und verfasst das Programm des Spartakusbundes. Im Januar 1919 schreiben Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ihre letzten Artikel für die „Rote Fahne“: Rosa Luxemburgs „Die Ordnung herrscht in Berlin“ und Karl Liebknechts „Trotz alledem“. Mit ihrer Protestdemonstration gegen die Entlassung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn begann der Spartakus-Aufstand in dessen Zuge Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet werden.

- 8. Mai 1919: Die Angeklagten in den Mordfällen Liebknecht und Luxemburg erhalten Strafen zwischen 6 Wochen Stubenarrest und 2 Jahren Gefängnis

„Die Welt ist so schön bei allem Graus und wäre noch schöner, wenn es keine Schwächlinge und Feiglinge auf ihr gäbe“
Rosa Luxemburg

verfasst von: Martin Nickel


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