StartseitePersönlichkeitenGeschichteEdith Stein

"Ja, selig ist sie! - Amen." So beendete Johannes Paul II. seine Ansprache bei der Seligsprechung von Edith Stein in Köln im Jahre 1987. "Vereint mit dem gekreuzigten Herrn gab sie ihr Leben dahin, für den wahren Frieden und für das Volk: Edith Stein, Jüdin, Philosophin, Ordensfrau, Märtyrin."

Doch wer war Edith Stein?

Sie wurde am 12. Oktober 1891, am Tag des jüdischen Versöhnungsfestes (Jom Kippur) in Breslau geboren. Ihre Eltern waren beide jüdischen Glaubens. Edith Stein war die jüngste von sieben Geschwistern und der Liebling der ganzen Familie.

Sie verlor ihren Vater schon sehr früh. Frau Stein hatte das Geschäft ihres Mannes übernommen. Sie war sehr tüchtig und hatte einen Blick für die nüchterne Realität, darum gelangte die Familie bald zu Wohlstand. Ediths Mutter war aber auch sehr freigiebig. Im Winter kaufte sie ganze Waldbestände auf, um sie den Armen als Brennholz zu überlassen. Frau Stein war stolz darauf eine Jüdin zu sein, das sah man vor allem daran, dass sie sich immer streng an die jüdischen Gesetze hielt. Die Kinder folgten stets dem Beispiel ihrer Mutter. Edith verbrachte eine frohe Kindheit, denn sie genoss sehr viel Zuneigung und eine tiefe Mutterliebe.

In der Schule war sie eine fleißige Schülerin. Ihre Glanzfächer waren Literatur und Sprachen. Sie lernte immer sehr eifrig und war ständig auf der Suche nach der Wahrheit. Doch zu Ostern, im Jahre 1906, kam es zu einem Abbruch ihres Eifers. Edith hatte keine Lust mehr, in die Schule zu gehen. Die Mutter missbilligte dies und schickte sie als Konsequenz nach Hamburg zu ihrer Schwester Else. Dort half sie im Haushalt und fand endlich wieder Gefallen an der Schule und sogar wieder Lust am Studieren. In Breslau belegte sie die Fächer Germanistik, Geschichte und Psychologie. Durch den zweiten Band der "Logische[n] Untersuchungen" von Edmund Husserl wird sie für Göttingen begeistert. So zog es sie im Sommersemester 1913 nach Göttingen. Hier lebte sie bei ihrem Vetter Richard Courant (Privatdozent für Mathematik in Göttingen). Edith studierte hier Philosophie, Psychologie, Geschichte und Germanistik.

Im Januar 1915 legte sie ihr Staatsexamen in philosophischer Propädeutik (Propädeutik: vorbereitende Einführung in eine Wissenschaft), Geschichte und Deutsch mit der Note eins ab. Edith Stein wandte sich immer stärker der Philosophie zu. Tiefe Freundschaft verband sie mit Professor Dr. Reinach (die rechte Hand Husserls) und seiner Frau (beide waren jüdischer Herkunft), Hedwig Martius und deren Mann Dr. Conrad (beide Husserlschüler). Durch Max Scheler kam Edith zum erstenmal mit katholischen Ideen in Berührung.
Edith Stein war zwar klug, aber nicht fromm, was ihrer Mutter Sorgen bereitete. So interessierte sie nur wenig für das Judentum. Sie begleitete ihre Mutter zwar weiterhin zur Synagoge, ihre wirklichen Interessen waren allerdings intellektueller Art.

Im ersten Weltkrieg arbeitete sie freiwillig als Rot-Kreuz-Helferin. Edith Stein hielt es für ihre Pflicht, das ihr Mögliche zu tun. 1917 fiel Dr. Reinach in Flandern. Die Niederlage Deutschlands 1918 machte sie unglücklich. Sie hing zwar am jüdischen Volk liebte aber auch das deutsche Volk, ihr Vaterland. Nach dem Krieg wurde sie die Assistentin von Edmund Husserl.

Im August 1921 las sie ein Buch von Teresa von Avila mit dem Titel : "Leben der heiligen Teresa von Avila". Sie war gefangen und fasziniert von diesem Buch, bis sie es vollständig zuende gelesen hatte. "Das ist die Wahrheit!", sagte sie zu sich. In ihr war "das Licht Gottes" entzündet worden. Sie besuchte von nun an die heiligen Messen. Am Neujahrstag 1922 wurde sie getauft. Edith Stein selbst entschied sich für den Namen: Theresia Hedwig. Sie war glücklich mit ihrem neuen Glauben. Allerdings konnte ihre Familie dies nicht verstehen, das bereitete ihr großen Kummer. Edith Stein lebte anspruchslos und schenkte den Armen. Sie lebte wie eine Frau vom Kloster und legte privat die drei Gelübde ab. Aus Gebeten schöpfte sie ihre Kraft. Zu dieser Zeit war sie als Lehrerin in Speyer tätig. Sie war eine äußerst strenge Lehrerin. Ihre hohen Maßstäbe machten ihren Schülern jedoch nichts aus, denn sie war niemals kleinlich und ihre Schüler fühlten sich weder verletzt noch bloßgestellt.

Schließlich entschied sie sich Karmelitin zu werden. Doch dieser Wunsch stieß bei ihrem geistlichen Leiter Erzabt Raphael Walzer auf Ablehnung. Er wünschte sich, dass Edith Steins Aktivitäten in der Welt zunehmen sollten. So machte sie Vortragsreisen in Deutschland und reiste durch Europa. Je mehr Macht Hitler erlangte, um so mehr hielt sich Edith Stein an die katholische Kirche. Sie wollte sogar nach Rom zu Pius XI fahren , um ihn zu bitten, die Enzyklika über die Judenfrage zu veröffentlichen. Doch dazu kam es nicht, so schrieb sie ihm einen Brief. 1933 sprach eine Bekannte für sie, bei einer ihr nahestehenden Schwester vor. Das Fest der Teresa von Avila sollte gleichzeitig ihr Eintritt in den Karmel werden. Der Frieden in der Familie war nun endgültig zerstört. Im April 1934 erhielt sie nach einer Probezeit das Ordenskleid und den Namen Theresia Benedicta a Cruce, Theresia Benedicta vom Kreuz, die vom Kreuz Gesegnete. Endlich konnte sie die Anspannung in ihrem Inneren ablegen und Edith Stein wurde ein gelöster Mensch, sehr mütterlich. 1935 legte sie ihr erstes Profess ab. Über ihre Schwester Rosa hielt sie Kontakt zur Familie. Ihre Mutter söhnte sich mit ihr aus. Frau Stein starb am 14. September. Danach folgte Rosa Edith in den Karmel. In der Osterwoche 1938 legte Edith das ewige Profess ab.

Durch den Judenhass wurden die Schwestern im Kölner Karmel gefährdet. Sie fühlte eine immer stärker werdende Verbindung mit "ihrem Volk". Beide Schwestern wurden nach Holland gebracht in den Karmel nach Echt. Doch im Jahr 1940 wurde Holland besetzt. Von der Gestapo wurde Edith nach Maastrich beordert. Dort grüßte sie nicht vorschriftsmäßig mit "Heil Hitler!", sondern mit "Gelobt sei Jesus Christus!". Die Schwestern mussten den gelben Judenstern tragen. Durch das Protest-Telegramm gegen die Judenverfolgung (der Hirtenbrief) galten Juden mit katholischem Glauben als gefährlich. "Ich nehme es, wie Gott es fügt.", schrieb sie auf eine Postkarte, nachdem ihre Brüder samt Familie in ein Konzentrationslager gebracht wurden. Am 2. August wurde Edith Stein von zwei SS-Offizieren im Karmel abgeholt. Ihrer Schwester erging es genau so. Beim Verlassen des Hauses nahm Edith Stein sie bei der Hand und sagte: "Komm, wir gehen für unser Volk!" Sie legten die Ordenskleider selbst im Lager nicht ab. Die Ordenschwester fand immer tröstende Worte für die Menschen und betete regelmäßig. Sie kümmerte sich um die Kinder, sorgte für Nahrung und Pflege. Am 7. August wurden die Gefangenen nach Auschwitz transportiert und kamen am 9. August dort an. Nach der Ankunft wurden die Gefangenen, unter ihnen Edith Stein, in die Gaskammern geführt und ermordet.

verfasst von: Fanny Köhler


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