StartseitePersönlichkeitenGeschichteRahel Varnhagen v. Ense

Der Salon

Der Salon ist ein häusliches Pendant (=Gegenstück) der wissenschaftlichen und literarischen Zirkel im späten 18.Jahrhundert, die das Leben des jüdischen Bürgertums in der deutschen Gesellschaft deutlich verbesserten. Es war die erste Zusammenkunft von engagierten Menschen, die versuchten, jahrhundertealte Schranken zu überwinden. Sie legten den Grundstein für die weitere Entwicklung des jüdischen Lebens in Deutschland.

Rahel Varnhagen von Ense

Rahel Levin ist 1771 als Tochter einer reichen jüdischen Familie in Berlin geboren. Sie war die Tochter des Goldhändlers und Hoffaktors Markus Levin in Berlin. Aufgrund ihrer Ausstrahlung machte sie den Salon in ihrer Mansardenwohnung zu einem Anziehungs- punkt für die Berliner Prominenz. Ihr Salon wurde als „Republik des freien Geistes“ bezeichnet. Sie war eine frühe Verehrerin Goethes, blieb aber anderen Literatur- bewegungen gegenüber stets aufgeschlossen. Zu ihren Freunden zählten unter anderem Chamisso, Friedrich und Wilhelm Schlegel, Henriette Herz, Brentano, Friedrich Schiller, sowie Ludwig Tieck.

Rahel Levin - 1771-1833

Mit dem Einzug der napoleonischen Truppen 1806 in Berlin erstarb das Leben in ihrem Salon. Rahel Levin heiratete mit 39 Jahren den Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense. Wenig später aber trat sie zum Protestantismus über, dennoch hatte sie bis zum Ende ihres Lebens mit ihrer jüdischen Vergangenheit zu kämpfen. In ihrem neuen Glauben vermisste sie bald ein Teil des Judentums. In ihren 20 Jahren als Christin fragte sie immer wieder nach dem Platz der Juden in der Welt. Sie sagte einmal: "Jude zu sein, ist nichts Geringeres als ein Fluch, dem die Kinder seiner Anhänger vergeblich auf allen Erdpunkten entfliehen."

Rahel Varnhagen von Ense ist 1833 gestorben

Marcus und Henriette Herz

Markus Herz wurde in armen Verhältnissen geboren. Immanuel Kant bemerkte das Talent des Jungen und empfahl ihn als einen seiner Lieblingsschüler an Moses Mendelssohn. Dieser vermittelte ihn in Berlin an David Friedländer, der ihm ein Medizinstudium ermöglichte. Herz wurde er zu einem der angesehensten Ärzte. Er entwickelte sich zum Leiter des neugegründeten Jüdischen Krankenhauses. Im Jahre 1787 ernannte ihn Wilhelm II. zum Professor. Herz war einer der Vorkämpfer für die Gleichberechtigung.

Später heiratete er Henriette de Lemos, die Tochter eines portugiesisch – sephardischen Arztes geboren worden. Beide unterhielten in Berlin einen angesehenen Salon, der zu einem geistigen Mittelpunkt der Stadt wurde. Henriette Herz gehörte bis 1817 dem Judentum an, danach konvertierte sie zum Protestantismus. Sie hatte diesen Schritt schon lange geplant, ihn aber bis nach dem Tod ihrer Mutter hinausgeschoben. Zu dieser Zeit war sie schon eine relativ arme Witwe, da ihr Mann 1803 starb. Ab diesem Zeitpunkt schloss sie ihren Salon. Sie lebte von 1764 - 1847.

Henriette Herz (1764-1847) - als Hebe, die griech. Göttin der Jugend. gemalt von Dorothea Therbusch, 1778.


Gäste des Salons

In den Salons traf man vor allem Personen aus dem philosophischen und naturwissenschaftlichen Gesellschaften an. Sogar der preußische Kronprinz war dort anwesen. Mit der Zeit wurde Henriette Herz zum Mittelpunkt eines literarischen und theologischen Kreises, in dem regelmäßig Wissenschaftler und Politiker, wie die Brüder Humboldt, Schleiermacher, Ludwig Börne, Mirabeau und Prinz Louis Ferdinand erschienen. Ein wichtiger Unterschied zu anderen Salons war, dass auch Frauen zu den Stammgästen gehörten. Das waren beispielsweise Dorothea Veit (später Schlegel), Mendelsohns Tochter, M. Schadow, Caroline von Dacheröden und Madame de Staél.

Musikalische Abend - (li. Henriette Herz, am Klavier Abraham Mendelssohn (Zeichnung von Johann Gottfried Schadow, 1764-1850)


Ihr Tun und ihr Handeln

In den jüdischen Salons wurden die Kleidungssitten und Verhaltensweisen der Zeit auf ihre eigene Art und Weise geprägt. Die Eigenart lag vor allen darin, dass die Rangordnung in der Kleidung nicht erkennbar war. Diese Freiheit und Ungezwungenheit zog die unterschiedlichsten Gäste an. Die liberale Gastlichkeit war ein Zeichen für die Umstrukturierung der bestehenden sozialen Formen in der Gesellschaft. In den Salons wurden anspruchsvolle Gespräche geführt, Lesungen aus neuen literarischen Werken, wissenschaftliche Darlegungen und Berichte über ferne Weltgegenden erhöhten die Attraktivität der Zusammenkünfte. Neu war außerdem, dass Frauen öffentlich mit debattieren konnten.

Ziele und Zwecke

Mit ihrem Tun und Handeln wollten sie etwas in ihrer Religion verändern und einen besseren Lebensstandard der Juden im allgemeinen erreichen. Die Mitglieder suchten einfach einen Ort, an dem sie ihr Leid, ihre religiösen Erfahrungen und öffentliche Neuigkeiten austauschen konnten. In einer solchen Gemeinschaft bekamen sie zugleich Schutz und Hilfe. Die Salons sprachen nicht nur die Juden an, sondern Nichtjuden, die bisher dem Judentum bestenfalls gleichgültig gegenüber standen. Die so erreichte Öffnung kann nicht genug in ihrer Bedeutung für den Emanzipationsprozess der Juden in Deutschland hervorgehoben werden.

verfasst von: Ines Naber


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