StartseitePersönlichkeitenMusikLeonard Bernstein

Geburtsort und -datum 25.08.1918, Lawrence, Massachusetts, USA
Todesort und -datum 14.10.1990, New York City, USA
Profession Dirigent, Komponist
Werke u.a.: West Side Story, On the Town, 1. Sinfonie Jeremiah
Ehrungen u.a.: elf Emmy Awards, Grammy Award, Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem
Privatleben Ehefrau: Felicia Montealegre (†1978)
Kinder: Jamie Anna Maria, Alexander Serge Leonard, Nina Maria Felicia


Leben

Louis Bernstein wurde in eine jüdische Einwandererfamilie geboren. Sein Vater Sam Bernstein stammte aus der heutigen Ukraine, die Mutter Jennie kam aus Russland. Bernsteins frühe Kindheit war von Umzügen geprägt. Durch die häufigen Umfeldwechsel wurde er zu einem scheuen Kind, das oft von Krankheit geschwächt wurde.

Sein Lichtblick in diesem Leben war die Musik. Eine große Freude bereitete ihm der Gottesdienst in der Synagoge, wo er Gesang und Orgelspiel zu hören bekam. Im Alter von elf Jahren bekam er dann ein Klavier von einer Tante geschenkt und erhielt bald darauf schon die ersten Klavierstunden von einer Nachbarin. Mit 14 nahm er dann professionellen Unterricht. Seinen ersten öffentlichen Klavierauftritt hatte er im Alter von 16 Jahren, wo er auch seinen Namen von Louis zu Leonard änderte. So etablierte sich schon früh der Wunsch, Pianist zu werden. Nachdem Bernstein die Schule abgeschlossen hatte, ging er zum Musikstudium an die Harvard-Universität.

Sein musikalischer Durchbruch gelang ihm mit 25 Jahren. 1943 wurde er zum Assistant Conductor der New York Philharmoniker ernannt. Im selben Jahr sollte der deutsch-österreichische Dirigent Bruno Walter ein Konzert in der Carnegie Hall leiten. Dieser erkrankte jedoch und da auch der erste Dirigent der Philharmoniker verhindert war, sprang kurzerhand Leonard Bernstein ein. Über Nacht wurde der Nobody zur amerikanischen Berühmtheit.

Doch Bernsteins Leben war auch von tragischen Ereignissen geprägt. Mit Mitte zwanzig wurde bei ihm ein Lungenemphysem diagnostiziert. Bei dieser Krankheit, die zu einem krankhaften Aufblähen der Organe führt, hätte er laut Ärzten eigentlich höchstens 35 Jahre alt werden können. Auch sein Familienleben war nicht ausschließlich unproblematisch. 1951 heiratete er die chilenische Schauspielerin Felicia Montealegre, mit der er drei Kinder bekam. Er war ein liebender Vater für die zwei Töchter und den Sohn. Doch in der Musikwelt war er eher dafür bekannt, viele wechselnde Partner, darunter auch Männer, zu haben. Die homosexuellen Verbindungen sind schließlich auch ein Trennungsgrund für Montealegre. Bernstein lebte daraufhin für einige Zeit mit Tom Cothran zusammen, bis bei Bernsteins Frau Krebs diagnostiziert wurde. Er kehrte zu ihr zurück und blieb bis zu ihrem Tod 1978 bei ihr. Zeit seines Lebens hat er ihren Tod nie verkraften können. Auch seine Homosexualität, die er seinen „kleinen Dämon“ nannte, war ein Grund für seine lebenslange Zerrissenheit.

Der Künstler verstarb letztendlich im Alter von 72 Jahren an akutem Herzversagen, einer Folge des Lungenemphysems. Bernstein wurde auf dem Green-Wood-Cemetery in Brooklyn bestattet. Mit ihm im Grab liegen ein Taktstock, eine Partitur Gustav Mahlers und ein kleines Stück Bernstein.

Arbeit und Werke

Bis 1939 studierte Bernstein Musik an der Harvard-Universität in Cambridge, Massachusetts. Er lernte außerdem das Dirigieren beim amerikanischen Dirigenten Fritz Reiner. Durch ihn lernte Bernstein Serge Koussevitzky kennen, der ein lebenslanger Freund blieb. Während des Studiums lernte er des Weiteren Aaron Copland kennen, der für ihn ein Freund und Mentor wurde. Sein erstes eigenes Konzert gab Bernstein noch während seiner Studienzeiten in Harvard. 1943 wurde er zum Zweiten Dirigenten des New York Philharmonic Orchestra ernannt und erlebte am 13. November desselben Jahres dort den spektakulärsten Auftakt seiner Karriere.

Über die Zeit hatte Leonard Bernstein immer wieder Auftritte rund um die Welt. So war er regelmäßiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayrischen Rundfunks. Vor allem sein erster Auftritt in Deutschland wurde von vielen als mutig angesehen. 1948, also erst drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, folgte er einer Einladung des Generalmusikdirektors Georg Solti und war somit der erste amerikanische und sogar jüdische Dirigent, der nach dem Krieg das Bayrische Staatsorchester leitete. In einem Brief an seine ehemalige Klavierlehrerin sprach er von dem Konzert als „vollem Erfolg“. Auch seine jüdischen Wurzeln verarbeitete der Dirigent. Am 10.Mai 1948 gab er mit 20 Holocaustüberlebenden in Konzentrationslagern ein Konzert.

Auch in seinem musikalischen Schaffen merkt man den jüdischen Einfluss. Zwei seiner Symphonien stehen in Verbindung mit dem Judentum. Die erste Symphonie, die er seinem Vater widmete, hieß Jeremiah, die dritte Symphonie trug den Titel Kaddish. 1965 komponierte Bernstein ein dreiteiliges Chorwerk, die Chichester Psalms, das hebräische Psalmentexte verarbeitete.

Szene aus West Side Story - Urheber: Heyszilard0


Während seiner Karriere schrieb Bernstein auch Musicals. Mit dem Stück West Side Story, der modernen Adaption des Shakespeare-Stückes Romeo und Julia, feierte er einen Welterfolg, unter welchem er aber ein Leben lang litt. Das Werk stellte sein weiteres Schaffen in den Schatten, weshalb er nie viel Anerkennung für seine klassischen Werke erhielt. Bernsteins Repertoire umfasste viele klassische, aber auch avantgardistische Stücke. Am meisten bewunderte er jedoch die Musik Gustav Mahlers. Die Zerrissenheit, Unrast und Unruhe, die diese Werke prägten, spiegelten teilweise auch Bernsteins Lebensgefühl wider und viele seiner Bekannten sagten, dass er dies auch zeigte, wenn er Mahlers Werke spielte.

Bernsteins Ziel war es auch, die Musik für alle zugänglich zu machen. Er wollte in seiner Fernsehserie Young People’s Concerts den jungen und alten Zuschauern die Musik näher bringen. In den 14 Jahren, in denen das Programm ausgestrahlt wurde (18. Januar 1958 bis 26. März 1972), fesselte er das Publikum mit seinem Humor und Charisma. Leonard Bernstein war nicht nur ein großer Musiker, sondern wurde dadurch auch zum Medienstar.

Kampf für Bürgerrechte, Freiheit und Frieden

Mit seiner Musik bewegte Bernstein nicht nur die Herzen, sondern wollte vielmehr auch zu einem Umdenken anregen. Sein Musical 1600 Pennsylvania Avenue, welches im Weißen Haus spielt, sollte dem fanatischen Patriotismus der Amerikaner den Kampf ansagen und die noch nicht überall vorhandene Rassenfreiheit ansprechen. Das Musical war jedoch leider ein Misserfolg. Später sagte Bernsteins Tochter, dass die Zeit für solch ein Stück noch nicht bereit war.

Dass Leonard Bernstein ein großer Verfechter der Freiheit war, zeigte sich auch bei einem seiner Auftritte in Berlin. Am 23. und 25. Dezember 1989 spielte er anlässlich des Mauerfalls in einem Konzerthaus in der Nähe vom Checkpoint Charlie. Für dieses Ereignis brachte er Musiker aus West- und Ostdeutschland und allen vier Besatzungszonen zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Gespielt wurde Beethovens 9. Sinfonie, deren Chorstück im vierten Satz von einer Ode an die Freude zu einer Ode an die Freiheit umgedichtet wurde. Der amerikanische Jude hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Deutschen durch die Musik wieder zu vereinen.

Bernstein wurde von vielen Mitmenschen als sehr großherzig beschrieben. Oftmals spendete er Teile seiner Gagen an gemeinnützige Organisationen oder verzichtete gar auf ein Honorar.

Bernsteins Verbindungen zum Judentum

Leonard Bernstein war sehr stolz auf seine jüdische Herkunft. Die Eltern waren aus dem russischen Schtetl geflohen und nach Amerika emigriert. Der jüdische Einfluss zeigte sich auch sehr in Bernsteins Musik. Neben seinen musikalischen Werken setzte er sich aber auch für Israel ein. Er verspürte zu dem Land eine tiefe Zuneigung und schrieb einst, er sei von diesem Land und seinem Volk überwältigt. Oft absolvierte er Auftritte in Israel und konnte auch in Kriegszeiten nicht davon abgehalten werden, dort zu spielen. Am 19. November 1948, während des Unabhängigkeitskrieges, spielte er ein Konzert in der Wüstenhauptstadt Be’er Scheva, in der Truppen der Israelis saßen. In der Zeit, in der Bernstein durch das Land tourte, kam es nicht selten vor, dass während der Konzerte Artilleriefeuer zu hören war, wovon Bernstein sich jedoch nie beirren ließ. Seine Konzerte waren immer gut besucht und er wollte den Leuten auch in Zeiten des Krieges etwas bieten.

Soldaten in Israel, 1948 - muni. hod hasharon via the PikiWiki - Israel free image collection project


Doch Bernstein gab nicht nur Konzerte in Israel, sondern würdigte mit seiner Musik auch gefallene israelische Soldaten. In seiner Komposition Halil (deutsch: Flöte) geht es um einen Flötenstudenten aus Israel und dessen Kameraden, die während des Jom-Kippur-Krieges (6. Okt. 1973 – 24. Okt. 1973) starben oder getötet wurden. Bis zu seinem Lebensende versuchte Leonard Bernstein eine Oper zu vollenden, die die Scho’ah (Holocaust) behandelte, denn er glaubte, dass er dies den Juden schuldig sei.

In Bernstein schlug ein musikalisches, jüdisches Herz, mit dem er versuchte die Welt ein Stück besser zu machen und seine Philosophie in die Welt zu tragen.

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gestaltet von Martha Sophie T. im Schuljahr 2019/2020


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