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Vorfahren und Kindheit Levi Strauss

Die Geschichte der Familie Strauss lässt sich bis zu Levi's Großvater Jacob Strauss zurückführen. Jacob Strauss war Viehhändler und lebte mit seiner Frau Maila im Haus Nr.134, wo heute die Hauptstrasse Buttenheims entlang führt.

Hirsch Strauss, Levi's Vater, wurde am 16. November 1780 in Buttenheim geboren. Er lebte mit seiner ersten Frau Madel auf der heutigen Marktstraße 33. Hirsch und Madel Strauss hatten zusammen fünf Kinder. Weil Madel schon in jungen Jahren starb, heiratete Hirsch Strauss erneut. Mit seiner neuen Frau Rebecca, geborene Seeligmann-Hass, hatte er nochmals zwei Kinder (Löb und Vögela Strauss). Löb Strauss wurde am 26.Februar 1829 in Buttenheim bei Bamberg geboren.

Zu der Zeit betrieb sein Vater Hirsch einen Hausierhandel mit Tuch und Kurzwaren, der gerade das Nötigste an Geld einbrachte. Der Hausierhandel zählte zu den Berufen der Unterschicht der Gesellschaft. Die Familie Strauss war Mitglied der bedeutendsten fränkischen Landjudengemeinde in Buttenheim, die seit 1450 existierte.1846 starb Levis Vater an Tuberkulose und wenig später auch sein Onkel. Der Tod des Vaters und des Onkels brachte die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten, deren einziger Ausweg die Auswanderung der Familie (Rebecca, Löb, Vögele und Mathilde) nach Amerika schien, wo sich bereits einige Jahre zuvor die beiden ältesten Söhne niedergelassen hatten.

Für die Ausreise benötigte die Familie eine Genehmigung der bayrischen Landesregierung, für welche zahlreiche Papiere notwendig waren. Unter anderen ein Geburts- und Leumundzeugnis von der Gemeinde. Im Winter 1846/47 beantragte Rebecca für sich und ihre Kinder die Ausreisegenehmigung.
Die Absicht der Auswanderung wurde zu dieser Zeit 2x in der Zeitung veröffentlicht, damit die Gläubiger die Gelegenheit hatten, ihre Schulden einzuklagen.
Am 4. Juni 1847 wurden die Reisepässe ausgestellt und die Reise konnte beginnen. Zu dieser Zeit war Levi 18 Jahre alt.

Der Neubeginn der Familie in Amerika

Levis Bruder Jonathan und Lipmann, die inzwischen Jonas und Louis hießen, betrieben in Amerika, wie auch der Vater Hirsch schon, einen Handel für Tuch und Kurzwaren.
Löb, der seinen Namen bald in Levi änderte, arbeitete in dem Geschäft der Brüder und erlernte schnell den Händlerberuf. Da Levi nicht die Absicht hatte, nach Bayern zurückzukehren, beantragte er am 25. Januar 1851 die amerikanische Staatsbürgerschaft, die er nach einer zweijährigen Frist am 31. Januar 1853 bewilligt bekam.

Als die Nachricht von Goldfunden in Kalifornien die Ostküste erreichte, lockte es auch Levi nach San Francisco.
Er erreichte am 14. März 1853 San Francisco und eröffnete dort einen Handel für Kurzwaren und Stoffe. Louis und sein Schwager Stern wurden seine Geschäftspartner.
Das Angebot war weit gefächert und reichte von der Zahnbürste über Hosenträger bis hin zu Nadel und Faden. Das junge Unternehmen florierte.
In den Stadtregistern war der Eintrag "Levi Strauss & Co. Importeur, Makler, Bekleidung und Kurzwaren" zu finden. Der Stoff machte Levi zu einem wohlhabenden Mann.

Der Weg von der einfachen Hose zur Jeans

In der Zeit die Levi in San Francisco verbrachte, fand er schnell heraus, dass die Goldgräber für ihre harte Arbeit, strapazierfähige und robuste Hosen benötigen. Seine erste Hose stellte er aus widerstandsfähigem Zeltstoff her. Diese Hose war noch braun, hüfthoch und wurde von Hosenträgern gehalten.
Trotz dass die Hose aus einem strapazierfähigem Stoff gearbeitet war, konnte sie den täglichen Anforderungen der Goldgräbertätigkeit nicht standhalten. Eine Lösung des Problems fand Levi in der Idee von Jacob Davis.

Dieser schrieb Anfang Juli 1872 einen Brief an Levi, indem er beschrieb, wie es möglich war, besonders strapazierfähige Hosen anzufertigen. Die Idee bestand darin, dass die stark belasteten Stellen der Hose mit Metallnieten verstärkt werden sollten.
Leider fehlte Davis die nötigen finanziellen Mittel, um seine Idee patentieren zu lassen. Aus diesem Grund schlug er Levi die gemeinsame Finanzierung des Patentes vor.
Levi willigte in diesen Vorschlag ein und beide erhielten am 20. Mai 1873 das Patent für die genietete Hose.

Das war die Geburtsstunde der Jeans, die zu dieser Zeit noch "waist overalls" genannt wurde. Die Nachfrage nach dieser Hose war überwältigend und so bat Levi Jacob Davis nach San Francisco zu kommen um die Fertigung der Hosen zu übernehmen. Er beaufsichtigte den Zuschnitt des Stoffes und die Weiterleitung an die Näherinnen.
Dieses Produktionssystem konnte jedoch nicht lange aufrecht erhalten werden, weil die Auftragslage zu enorm war. Aus diesem Grund eröffneten Levi Strauss & Co zwei Fabriken in San Francisco. Der Leiter der Firmen wurde Davis, da Levi sein ursprüngliches Handelshaus weiterführte.

Ende des 19. Jahrhunderts zog sich Levi aus dem Geschäftsleben zurück und überließ seinen vier Neffen, den Söhnen von Fanny, die Firma. Levis Interessen galt nicht einzig und allein den Stoffen. Er war beispielsweise Gründungsmitglied und seit 1872 Schatzmeister der Handelskammer in San Francisco und Direktor der Nevada Bank. Außerdem unterstütze er finanziell ein jüdisches Waisenhaus, sowie die "Enreke Benevolemt Society".

Am 26. September 1902 starb Levi Strauss in seinem Haus in San Francisco. Zu diesem Zeitpunkt wurde sein Vermögen auf 6 Milliarden Dollar geschätzt. Sein Tod machte große Schlagzeilen. Die Zeitschrift "San Francisco Call" würdigte Levi als bedeutendstes Mitglied der städtischen Gesellschaft.

Am Tag des Begräbnisses waren viele Geschäfte in San Francisco vorübergehend geschlossen, weil die Inhaber an der Trauerfeier teilnahmen. Levi Strauss wurde auf dem Friedhof "Hills of Eternity" in Colma beigesetzt. Nach seinem Tod hielten die vier Neffen die Firma Levi Strauss & Co aufrecht.

Die Zeit nach Levis Tod

Die Jeans hatte auch nach dem Tode von Levi Strauss weiter großen Erfolg. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Jeans als kriegswichtiges Produkt anerkannt, jeder Soldat wurde damit ausgestattet.

Ende der 40er Jahre eröffneten Produktionstätten von Levi Strauss & Co in ganz Amerika und wurden somit zum weltgrößtem Jeans-Konzern. In Europa begann der Siegeszug der Jeans erst nach Ende des 2. Weltkrieges. Zunächst war die Jeans nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich, bis dann 1960 die erste europäische Levi Strauss Niederlassung in Brüssel eröffnete.

Ab da konnte keiner mehr das Vordringen der Jeans verhindern. Heute kann man die Hose in fast jedem Bekleidungsladen erwerben und es finden sowohl junge als auch ältere Menschen Freude daran.


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