StartseitePersönlichkeitenWissenschaftErnst Bloch

"Zeit ist nur dadurch, dass etwas geschieht, und nur dort, wo etwas geschieht."

Ernst Bloch wurde am 08.07.1885 in Ludwigshafen geboren. Sein Vater, Max Bloch, war königlich-bayrischer Eisenbahnverwalter, seine Mutter hieß Bertha Bloch (beide waren jüdischer Abstammung). Er war ein Einzelkind und seine Jugend empfand er als wenig glücklich. Bloch selbst sagte, dass er sich „aufsässig gegen Haus und Schule“ verhielt.
Schon früh entdeckte der junge Bloch, dass er philosophische und literarische Neigungen hatte. Ab 1905 studierte er Philosophie. Als Nebenfächer wählte er Physik, Musik und Germanistik. Zwei Jahre später hörte er von Oswald Külpe, dem Begründer der experimentellen Denkphilosophie. Aus diesem Grund wechselte er nach Würzburg. Dort schloss Bloch sein Studium ab.

Schon jetzt stellte Ernst Bloch die Forderung nach einer neuen Metaphysik auf und wesentliche Theoreme seiner späteren „Philosophie der Utopie“. Einige Zeit verbrachte er in Heidelberg (von 1912 bis 1914). Dort gelangte Ernst Bloch in den Kreis um Max Weber. Sein erstes bedeutendes Werk erschien nach der Emigration in die Schweiz (am Ende des Ersten Weltkriegs). Es trägt den Namen „Geist der Utopie“. 1919 kam er aus der Schweiz zurück und arbeitete hauptsächlich als freier Publizist (u.a. für die "Frankfurter Zeitung"). In den darauf folgenden Jahren reiste Bloch sehr viel umher, er gelange z.B. nach Italien, Paris und Tunesien. In dieser Zeit veröffentlichte er eine Monographie („Thomas Münzer als Theologe der Revolution“), einen Essayband („Durch die Wüste“) und die Aphorismen- und Geschichtensammlung „Spuren“. 1923 erschien eine Neufassung von „Geist der Utopie“, die noch stärker an marxistische Lehren angelehnt war. In Blochs Freundeskreis befanden sich u.a. Bert Brecht, Walter Benjamin und Theodor W. Adorno.

Nach Hitlers Machtübernahme emigrierte Ernst Bloch nach Zürich. 1935 erschien dort seine antifaschistische Kampfschrift („Erbschaft dieser Zeit“). Das er die Stalinistischen „Säuberungen“ in den sogenannten „Expressionismus-Debatten“ verteidigte, kostete ihn viele Freunde. Erst nach der Entstalinisierung revidierte er seinen Standpunkt. Danach lebte er in den USA, wo mehrere Werke entstanden (z.B. „Naturrecht und menschliche Würde“ oder sein Hauptwerk „Das Prinzip der Hoffnung“). 1949 kehrt Bloch in den Osten Deutschlands zurück. Mit 64 Jahren erhielt er in Leipzig einen Lehrstuhl für Philosophie. Als Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften übernahm er die Sektion Philosophie und wurde mit den Nationalpreis der DDR und den Vaterländischen Verdienstorden ausgezeichnet. Allerdings wurde er 1957 zwangsemeritiert, weil er Kritik an Staat und Partei geübt hatte („die roten Oberlehrer“ mit ihrer „Schulmeisterei aus Sekte und vorwissenschaftlichem Katechismus“). Durch die Schrift „Ernst Blochs Revision des Marxismus“ (1957) wurde er als philosophischer Mystiker eingestuft und zur ideologischen Feindfigur stilisiert.

Bei einem Besuch der Wagner-Festspiele in Bayreuth wurde Bloch vom Bau der Mauer überrascht und blieb im Westen. Die 68er Studentenbewegung begleitete er mit großer Sympathie. Der 1. Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (1964) sowie der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1967) wurden ihm verliehen.

verfasst von: Fanny Köhler


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