Karl Marx

Biographie

  • 1818 geboren in Trier
  • ursprünglich waren sowohl Vater als auch Mutter Juden
  • Vater Heinrich Marx (eigentlich Marx Levi, alter jüdischer Familienname Mardochai) war Jurist, konnte jedoch wegen seines jüdischen Glaubens die Praxis nicht weiterführen und konvertierte so 1817 zum evangelischen Glauben.
  • Marx hatte 4 Brüder und 5 Schwestern, er verlebte eine sorglose Jugend
  • Vorfahren des Vaters und der Mutter waren seit vielen Generationen Rabbiner gewesen
  • Karl Marx distanzierte sich vom Judentum
  • 1824 wurde er zusammen mit den anderen Kindern konvertiert (Übertritt zur protestantischen Kirche)
  • 1825 konvertiert seine Mutter
  • Erlebnis (Religionswechsel wegen des Berufs) wurde prägend für Marx' Verhältnis zur Religion
  • 1830-35 Marx besuchte Jesuitengymnasium
  • ("Friedrich-Wilhelms-Gymnasium") in Trier
  • 1835-41 Studium der Staatswissenschaften und der Geschichte in Bonn und Berlin, wo er sich der junghegelianischen (auch Linkshegelianer genannt) Zeitung anschloss
  • 1835 beginnt ein Jurastudium in Bonn
  • 1836 heimliche Verlobung mit Jugendfreundin Jenny von Westphalen
  • 1836-41 Studium in Berlin (hauptsächlich Philosophie), literarische Versuche
  • 1838 Vater Heinrich Marx stirbt am 10. Mai; Zerwürfnis mit der Familie
  • 1841 Doktor der Philosophie: nur Dissertation, keine Prüfung
  • sein linkes Denken war Hindernis für eine akademische Laufbahn
  • 1841/42 Redakteur der Rheinischen Zeitung in Köln; erster Kontakt zur Sozialen Frage
  • Probleme mit der Zensur
  • 1843 musste er die Tätigkeit aufgeben, die Zeitung wurde verboten
  • März Heirat mit Jenny von Westphalen; sie lebten 1843 eine Weile von der Mitgift, sie wurde 1843 seine Sekretärin und identifizierte sich vollständig mit seinen Ideen
  • Er siedelte, da er die Redaktion wegen seines Radikalismus niederlegen musste, nach Paris über, um mit Arnold Ruge zusammen die "Deutsch- Französischen Jahrbücher" herauszugeben.
  • in Paris studierte Marx den Sozialismus und Kommunismus
  • Er schrieb Artikel für die sozialistische Zeitung "Vorwärts"; lernte Heinrich Heine kennen
  • 1845 Ausweisung aus Frankreich auf Druck der preußischen Regierung; -Marx siedelt nach Brüssel über, wo er Friedrich Engels kennen lernt, mit dem er gegen Bruno Bauer "Die heilige Familie" schrieb.
  • Er verfasste die "Deutsche Ideologie", entwickelte entscheidende Grundgedanken der späteren Theorie.
  • Mit Engels gründete er 1847 in Brüssel den ,,Deutschen Arbeiter- Bildungsverein" und die ,,Association de'mocratique", die ihrerseits mit dem von Weitling gegründeten kommunistischen Londoner ,,Bund der Gerechten" in Verbindung trat. Von diesem Bund erhielt er l847 den Auftrag, zwecks Umgründung in den ,,Bund der Kommunisten" eine Programmschrift zu schreiben, die er gemeinsam mit Engels ausarbeitete. Diese wurde das
  • ,,Kommunistische Manifest" (1848), das eine radikale Kritik der bürgerlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung und einen Aufruf zum Klassenkampf an das internationale Proletariat enthält.
  • 1849 Ausweisung aus Preußen, geht nach Paris, wo er erneut ausgewiesen wird; Übersiedelung nach London, wo er meist dürftig und von Engels unterstützt, lebte.
  • 1859-67 ausgedehntes Studium der politischen Ökonomie, arbeitet für diverse Zeitungen
  • stellte Thesen auf über die Bewegung der kapitalistischen Produktion => historischer Materialismus; Hintergründe waren die Erscheinungen in England, Armut, Krankheit Marx'; Engels, der Sohn eines Textilfabrikenbesitzers half oft mit Geld aus
  • 1860 Marx liest Darwins Evolutionstheorie und findet seine Ansicht darin wieder
  • 1861 die preußische Staatsbürgerschaft wird ihm erneut verweigert
  • 1864 Gründung der Sozialistischen Internationale (Treffen der sozialistischen Bewegungen) führende Tätigkeit
  • In London entstanden seine Hauptwerke ,,Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte" (1852), ,,Zur Kritik der politischen Ökonomie" (1859), vor allem ,,Das Kapital" (1867, Bände 2 und 3, herausgegeben von Friedrich Engels, 1885-94).
  • 1871 Gothaer Programm (der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands)
  • 1872 Verlegung der Sozialistischen Internationale in die USA
  • 1876 Auflösung der Internationale
  • 1881 Tod seiner Frau Jenny; Karl Marx zu krank, um an ihrem Begräbnis teilzunehmen
  • Jan. 1883 Tod seiner Tochter Jenny
  • 14.3.1883 Tod von Karl Marx in London

Marx und die Soziale Frage

Anliegen:
Aufhebung des eklatanten Auseinanderklaffens der Klassen, d. h. von reich und arm. Anlass dafür war die Beobachtung der Missstände im 19. Jahrhundert, die besonders stark in England ausgeprägt waren.

Thesen:
Der Inhalt des gesellschaftlichen Bewusstseins wird durch die ökonomischen Verhältnisse bestimmt.
Aus der historischen Abfolge der Gesellschaftssysteme entwickelt Marx das Konzept einer Gesellschaftsform der Zukunft: den Kommunismus (Endziel: klassenlose Gesellschaft).
Der Klassengegensatz zwischen Proletariat (Arbeit) und Bourgeoisie (Kapital) entwickelt sich immer stärker. Anzeichen dafür ist die Konzentration des Kapitals in den Händen einiger weniger und die Verelendung des Proletariats.
Die bourgeoise Produktionsmethode ist die Ursache für das Elend. Hauptgrund dafür ist die Tatsache, daß der Arbeiter durch seine Form der Arbeit mehr Wert erzeugt als er in Form des Arbeitslohnes bezahlt bekommt. Dieser Mehrwert, den sich der Kapitalist sich aneignet, ist die eigentliche Quelle des kapitalistischen Reichtums. Die Arbeit wird durch diese Produktionsmethode zu einer bloßen marktwirtschaftlichen Ware entfremdet.

Maßnahmen:

  • Aufhebung des Privateigentums (Zwangsenteignung) und Abschaffung des Erbrechts
  • starke Progressivsteuer
  • Zentralisierung von Kredit- und Transportwesen
  • staatliche Produktionsstätten
  • Arbeitszwang für alle
  • Vereinigung von Landwirtschaft und Industrie bzw. Land und Stadt
  • öffentliche und unentgeltliche Erziehung, Verbot der Kinderarbeit

Bewertung:

  • detaillierte Darstellung der herrschenden Zustände
  • Erkenntnis der wesentlichen Zusammenhänge (Monopolbildung und Rationalisierung)
  • erkannte die Industrialisierung als irreversible (= nur in einer Richtung verlaufende, nicht rückgängig zu machende) Veränderung der Gesellschaft an.
  • Fehler: zu idealistisches Menschenbild, verkannte den Egoismus

Karl Marx äußert sich zur Judenfrage 1843/44:
Die Schrift "Zur Judenfrage" ist eine Arbeit, die zu vielen Missdeutungen geführt hat, weil - vor allem im zweiten Teil - Marx die Juden einseitig mit "Schacher" und Geschäftsgeist identifiziert, also populäre Klischees und Vorurteile zu bedienen scheint.
Dazu muss jedoch gesagt werden, dass es sich bei diesen Ausführungen um die kritische Rezension einer Schrift von Bruno Bauer handelt, in der dieser verlangt hatte, dass sich die Juden, um Staatsbürger zu werden, von ihrer Religion loslösen müssten. Marx weist zunächst erst einmal nach, dass diese Notwendigkeit in einem wirklich modernen demokratischen Staat nicht besteht.
Die politische Emanzipation der Juden - wie der Christen übrigens auch - besteht darin, dass der Staat die Religion zur "Privatsache" seiner Bürger macht.
Da aber - für Marx wie für Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach - die Religion "das Dasein eines Mangels" ist, befreit der politische Staat die Menschen nicht von diesem Mangel (und kann auch nicht von ihnen verlangen, sich von ihm zu befreien). Da aber, wie Marx ausführlicher an anderer Stelle argumentiert, die Religion nur der Ausdruck eines dem Leben zugrunde liegenden Mangels ist, kommt es darauf an, diesen "weltliche Mangel" aufzuheben, wenn die religiöse Beschränktheit aufgehoben werden soll.
Marx wollte in der Schrift "Zur Judenfrage" auch seine Theorie illustrieren, religiöses Bewusstsein sei immer Folge und Ausdruck beengender sozialer Verhältnisse, die den einzelnen vom "Gattungsleben" trennen und dazu führen, sich eine "jenseitige Ergänzung" durch eine irdische Beschränktheit einzubilden, zu ersinnen. Im übrigen richtet er seine Kritik sowohl gegen die jüdische als auch gegen die christliche Religiosität.

verfasst von: Constanze G.

Quellen:
Werner Blumenberg: Marx, Rowohlt-Verlag, 1998
Iring Fetscher: Marx, Herder-Verlag, 1999
Internet: Andreas Schmidt, Universität Karlsruhe, 1997
Internet: gutenberg.aol.de/autoren/marx.htm