StartseitePersönlichkeitenWissenschaftRahel Hirsch

Rahel Hirsch war eine der ersten Frauen, die in der medizinischen Forschung tätig waren. Sie spezialisierte sich vor allem auf die Erforschung von Stoffwechselprozessen und –erkrankungen. Sie erbrachte den experimentellen Nachweis, dass auch ungelöste Substanzen unter bestimmten Bedingungen die Schleimhaut des Dünndarms durchdringen und anschließend mit dem Harn ausgeschieden werden können; den sogenannten „Hirsch-Effekt“.

Dr. Rahel Hirsch, ca. 1913 -


Leben

am 15. September 1870 als Tochter eines Direktors der höheren Töchterschule der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Frankfurt am Main geboren

Großvater väterlicherseits war der Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch (zählt noch heute mit zu den bedeutendsten Rabbinern des 19. Jahrhunderts)

erhielt in ihrem Elternhaus eine vergleichsweise fortschrittliche Erziehung

besuchte die höhere Töchterschule, wo sie 1885 ihr Abitur ablegte

anschließend Pädagogikstudium, welches sie 1889 mit dem Lehrerinnenexamen abschloss

danach bis1898 Arbeit als Lehrerin

Da ein Medizinstudium für Frauen im Deutschen Reich noch nicht möglich war, begann Hirsch deshalb 1899 in Zürich Medizin zu studieren.

Fortsetzung des Studiums in Leipzig und Straßburg

1903 Promotion

Ärztin an der Berliner Charité (dort erste Internistin und die zweite Ärztin überhaupt)

1913 als erste Frau in Preußen zur Professorin für Medizin ernannt

1919 Kündigung, um eine Privatpraxis zu eröffnen

nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten durfte sie als jüdische Ärztin nur noch sehr eingeschränkt tätig sein

musste ihre Praxis aufgeben und emigrierte 1938 nach England

Arbeit als Übersetzerin und Laborassistentin, weil sie sich den Anforderungen, das englische Medizin-Examen nachzuholen, nicht mehr gewachsen fühlte

Geplagt von Depressionen, Wahnvorstellungen und Verfolgungsängsten, verbrachte Rahel Hirsch ihre letzten Lebensjahre in einer Nervenheilanstalt am Rande Londons, wo sie am 6. Oktober 1953 im Alter von 83 Jahren verstarb.



Berliner Gedenktafel für Rahel Hirsch - Foto: OTFW, Berlin 2016



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