Tora

Wissenswertes

hebräisch ‚Gebot‘, ‚Weisung‘, ‚Belehrung‘, auch Thora, Torah
Hauptquelle für: jüdischen Rechts, jüdischer Ethik und Wegweiser für Denken und Lebenswandel sowie für Beziehungen zwischen Menschen und Gott und Mensch und Mensch
Aus der Tora wird im Laufe des Jahres an allen Sabbat- und Feiertagen, Montagen und Donnerstagen (da sie einst Markttage waren) gelesen.
Die Tora ist eine handgeschriebenen Pergamentschriftrolle, die auf zwei Stäbe gewickelt ist. Wenn der Vorleser die Texte liest, erhebt sich beim Herausnehmen und beim Zurücklegen der Tora die Gemeinde.
Die Tora ist der Grundstein des jüdischen Glaubens. Sie wird auch als Pentateuch bezeichnet, da sie aus den 5 Büchern Mose besteht (griech. Pente = 5). Die jüdischen Bezeichnungen der fünf Torarollen werden jeweils von den ersten Worten im Text abgeleitet.
Wird die Tora im Synagogengottesdienst getragen oder gelesen, so wird sie nur an den beiden Holzstangen gehalten. Eine Tora wird sehr aufwändig von Hand geschrieben. Dazu wird ein speziell ausgebildeter Schreiber, der Sofer, beauftragt. Ein Sofer benötigt zum Schreiben einer Tora etwa ein volles Jahr.
Die Tora wird in Synagogen in einem speziellen Schrein, dem Aron haKodesch aufbewahrt. Meist ist dieser mit einer Tür und einem Vorhang, dem Parochet, verschlossen. Der Toraschrein wird während spezieller Gebete geöffnet, sowie zu Gelegenheiten, an denen aus der Torarolle gelesen wird.
Alle Zeilenbreiten und -längen sind durchgehend gleichbleibend.
Simchat Tora ist das Fest der Torafreude. Mit ihm endet das alte und beginnt ein neues Tora-Jahr. Gleichzeitig beendet Simchat Tora das jüdische Ernte- und Laubhüttenfest Sukkot.

Köln, Tora und Innenansicht der ehemaligen Synagog HOWI - Horsch, Willy - eigenes Foto (Zeughaus)

Wiener Stadttempel - Vorhang vor dem Toraschrein Foto: Dnalor_01, Wikimedia Commons, Lizenz CC-BY-SA 3.0


Inhalt

Bezeichnung des Buches     Inhaltsangabe
  hebräische Bezeichnung deutsche Übersetzung  
1. Buch Mose Bereschit Am Anfang (schuf)... Es ist die Schöpfungsgeschichte, und hat die Erschaffung der Welt (mit deren göttlichen Ursprung) sowie die Lebensläufe der Erzväter zum Inhalt.
Ferner vermittelt es den Grundsatz über die Gleichheit der Menschen vor Gott.
2. Buch Mose Schemot (Dies sind) die Namen... Hier wird die Prägung des Volkes als ein kollektives Individuum aufgezeigt. Aufgrund ihres feindlichen Umfelds in Ägypten, wo sie in Sklaverei geraten, kommt es zur Übertragung des Lebens der Erzväter auf das gemeinschaftliche Bestreben des sich herausbildenden Volkes. Das Kernstück dieses Buches sind die zehn Gebote. Sie legen das zwischenmenschliche Verhalten und das Verhalten zwischen Mensch und Gott dar.
3. Buch Mose Wajikra Und es rief (Jahwe)... Das Buch beschäftigt sich mit den Opferdiensten der Priester (die durch Leviten im Gottesdienst unterstützt werden sollen). Es beschreibt weitere allgemeingültige Gebote, wie das der Speisevorschrift oder der geschlechtlichen Reinheit, die Achtung von Mitmenschen und das Gebot zur absoluten Ehrlichkeit. Ein Gehorsam gegenüber diesen Grundsätzen bringt dem Volk Wohlstand und Ungehorsam führt zur Katastrophe.
4. Buch Mose Bemidbar (Und es redete Jahwe) in der Wüste... Es beginnt mit der Annahme, dass das Volk bereit sei den Zug in das verheißene Land anzutreten. Eine Generation muss nun vierzig Jahre lang in der Wüste verweilen, bis die Sklavenseelen ausgestorben sind. Unter der Führung zweier glaubensstarker Männer darf eine neue Generation in das Land einziehen. Eine neue Ära zieht auf.
5. Buch Mose Debarim (Dies sind) die Worte... Diese Buch soll laut Bibelkritikern erst später abgefasst worden sein. Es zeigt die Abschiedsansprache Moses an das Volk. Er legt die Vergangenheit, sowie Kritik an seinen Fehlern dar. Er wiederholt die zehn Gebote und bringt eine Zusammenfassung des Glaubensbekenntnisses.

Herstellung

Heute werden die Torarollen von speziellen Schreibern (Sofer) mit Gänsekielen und Tinte ohne Metallzusätzen auf Pergament geschrieben. Das Pergament wird speziell für diesen Zweck in Handarbeit aus der Haut rituell reiner Tiere gefertigt. Jeder Buchstabe hat eine bestimmte Schreibweise. Der kleinste Fehler macht die Rolle für den rituellen Gebrauch untauglich. Die alten, kaputten Rollen werden auf dem Friedhof beerdigt (siehe Beispiel Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee).


Torarollengrab Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee




Aufbau einer Torarolle

Die Tora ist auf zwei Stäbe gewickelt. Diese Stäbe bilden den Baum des Lebens (Ez Chajim). Die Mappa - ein einfaches Tuch umhüllt die Rolle. Darüber wird dann ein bestickter Mantel (Me'il) gewickelt. in sefardischen Synagogen wird die Tora nicht mit einem Stoffmantel umhüllt, sondern in einem Holzkasten, dem Tik, aufbewahrt. Der Tik wiederum steht im Toraschrein.
Sämtliche Bestandteile einer Torarolle sind als Zeichen für die Verehrung der göttlichen Worte reich verziert: Die Rolle wird mit einem Schild (Tass) geschmückt. Beliebte Motive sind der Löwe als Symbol des Stammes Juda und die 2 Säulen Boas ("in ihm ist Kraft") und Jachim ("er steht fest"), welche an der Vorhalle des 1. Tempels standen. Häufig wird der Torarolle eine Krone (Kether) oder ein mit Glöckchen verzierter Aufsatz aufgesetzt (Rimonim = Granatäpfel). Tass, Kether und Rimonim sind meist aus Silber gefertigt. Mit dieser "Ausstattung" erreicht eine Torarolle letztlich eine Höhe von ca. 1 Meter.
Zum Lesen der Tora verwendet man den Deuter (Jad). Dies ist ein silberner Stab, an dessen Ende eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befestigt ist. Der Jad fungiert als Lesehilfe und dient gleichzeitig dem Schutz der Tora vor unsauberen Händen.


Tora mit Jad Foto: Valley2city


Geschichte

Die Verschriftlichung der Tora erfolgte in einem langen Überlieferungsprozess, in dem unterschiedliche Quellen und verschiedene redaktionelle Bearbeitungen Eingang gefunden haben. Der Pentateuch wurde spätestens etwa 440 v. Chr. zur Zeit Esras fertiggestellt und ab etwa 250 v. Chr. aus dem Althebräischen in die griechische Septuaginta und in aramäische Targume übersetzt.


Verwendung

Die Rolle wird jeweils um den Abschnitt weiter gedreht, der gerade im Gottesdienst vorgelesen wurde.
zum Lesen der Tora verwendet man den Deuter (silberner Stab, an dessen Ende eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger ist)
der Deuter fungiert als Lesehilfe und Schutz der Tora vor unsauberen Händen

Tora lesen Reading of the Torah, Aish Synagogue, Tel Aviv, Israel. Foto: Roy Lindman



gestaltet von Lea K. und Felicitas K. im Schuljahr 2016/2017


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