StartseiteReligionReligiöse GrundlagenLernen als Lebensphilosophie

Die Zeit des Lernens, die niemals endet! Lernen als Lebensgrundlage! Lernen als Existenzform! Lernen als Traditionsbestandteil! Lernen lernen! Das Ideal des lebenslangen, autonomen Lernens ist in großem Umfang zur Wirklichkeit geworden!

Die jüdische Kultur ist wohl die einzige, die von sich behaupten kann eine lebenslange Lernmotivation und Lernfähigkeit eröffnet zu haben. Im Judentum ist das Lernen keine zeitgebundene Tätigkeit, sondern etwas was immer existiert und nie aufhört. Der Lerninhalt lautet: "Widme Dich dem Studium der Tora" (Sprüche der Väter 4, 12).

Schon im Kindergarten lernt man als jüdisches Kind hebräisch lesen. Die Kinder lernen das "Schma Israel", das Grundbekenntnis der Juden, und werden mit den Festen des Judentums vertraut, soweit sie diese von zu Hause noch nicht kennen. In einer jüdischen Schule lernt man neben den Fächern öffentlicher Schulen, auch das intensive Studium der Tora kennen.

Ab der ersten Klasse werden an sieben Wochenstunden die fünf Bücher Mose übersetzt. In der vierten Klasse wird man mit dem Kommentar von Raschi bekannt gemacht, der neben den 5 Büchern Mose das Grundwissen eines jüdischen Kindes für den weiteren Lernweg bildet. Ab dem elften Lebensjahr beginnen die Schüler die Schriften des Talmuds ( erst Mischna, später Gemara) zu lernen. Einige Juden entscheiden sich nach ihrer "Grundausbildung" im religiösem Studium ihren weiteren Bildungsweg in einer Jeschiwa (einer Talmudschule) fortzusetzen. In dieser Schule wird der klassische, jüdische Lehrstoff vertieft und erweitert. Auch sind in den Klassen einer Jeschiwa die Schüler nicht nach dem Alter, sondern nach den Fähigkeiten und Kenntnissen eingeteilt. Während der Lernzeit bekommt man einen "Chaver", einen Lernpartner, an die Seite gestellt, wodurch der zwischenmenschliche Aspekt gefördert wird. In diesen Schulen bekommt man kein Abschlusszeugnis, da der Zweck des Lernens das Lernen selbst ist.

Jedoch beschränkt sich das Lernen nicht nur auf die Kindheit und die Jugend, sondern auf das ganze Leben. Kein Jude ist zu alt den religiösen Lernpflichten nachzukommen, denn es heißt: "Wer die Tora lernt, dem kann der Todesengel nichts anhaben."

Samson Raphal Hirsch drückt in seinen Worten das Wesen des jüdischen Lernens aus: "Was soll man tun? Lernen und Lernen fördern und stützen, wo und wie man kann! Das ist ein Feld, das überall in kleinem und großem Maßstabe bebaut werden kann, das sind Bestrebungen, in denen uns niemand hindernd in den Weg zu treten vermag, (...).Lernen! Lernen! Wer noch Jude sein will, lerne, wer seine Kinder noch zu Juden erziehen will, lasse sie `lernen, wer etwas für das Judentum tun will, lerne und helfe `lernen`, in jedem Hause, jedem Dorfe, jeder Stadt (...)" (1909/1912).

verfasst von: Isabella Maczeizik


Druckbare Version