Oskar Schindler
"Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt" - dieser Talmudspruch ist in den Ring eingraviert, den die Juden Oskar Schindler als Geschenk übergaben. Aus echtem Zahngold gemacht, war der Ring am 08.05.1945 das einzige, was sie besaßen um Schindler für ihr Leben zu danken.
"In seiner Familiengeschichte findet sich nicht so leicht etwas, was erklärt, wie er dazu kam, den rettenden Engel zu spielen." (Auszug aus "Schindlers Liste", von Thomas Keneally, S. 27)
Er wurde am 28.04.1908 in Zwittau als Sohn des Fabrikanten Hans Schindler und einer frommen Kirchgängerin, Luise Schindler geboren.
Bereits sechs Wochen nach ihrem Kennenlernen im Sommer 1928 heiratete Oskar Schindler Emily. Das führte zum Streit mit Schindlers Vater. Beim Begräbnis seiner Mutter wenig später trug er bereits das Hakenkreuz, wie viele Volksdeutschen jener Zeit in seiner Heimatstadt Zwittau.
1939 erwarb er die Firma "Rekord", die er in DEF (Deutsche Emailwaren Fabrik) umbenannte. Dank seiner Kontakte zum Militär erhielt er viele wichtige Aufträge, die es ihm erlaubten 1941 seine Fabrik zu erweitern. Zusätzlich zu den "billigen" polnischen Arbeitern, stellte er auch Juden ein. Von einer Überlebenden ist bekannt, dass Schindler sie mit folgenden Worten empfing: "Wenn Sie hier arbeiten, wird Ihnen nichts geschehen. Wenn Sie hier arbeiten werden Sie den Krieg überleben." Das war kurz nach dem Umzug der Juden ins Ghetto, als Arbeitsplätze außerhalb dieses Stadtteils beliebt waren, um Tauschgeschäfte tätigen zu können.
Immer mehr Gerüchte über Konzentrationslager drangen zu den Juden und auch zu Schindler. Im Juni desselben Jahres wurde Schindler Zeuge der Räumung des Ghettos. Er beobachtete mir seiner Geliebten Ingrid wie Juden erschossen und geschlagen wurden, wie Gepäck aus den Häusern flog und Menschen auf Lastwagen verladen wurden. Und er sah das kleine Mädchen in Rot. Die berühmte Szene aus Spielbergs Film, das einzige Geschöpf in Farbe. Thomas Keneally beschreibt diese Szene wie folgt: "Es waren viel mehr Kinder, als die abgeführten Frauen haben konnten, und den Beschluss bildetet eine kleine Gestalt ganz in Rot. ... Er sah wieder das kleine Mädchen in Rot, das noch nicht mit den anderen in die Jozefinskastraße eingebogen war. Diese Kind also musste das alles mit ansehen. Warum dieser Umstand das Gemetzel auf der Straße für Schindler noch viel schlimmer machte, hätte er nicht sagen können, aber für ihn war es der schlüssige Bewies dafür, dass diese Menschen da vor nichts zurückschreckten" (S. 116/117).
Das war für Schindler der Schlüsselpunkt, ab da veränderte sich alles für ihn. Er errichtete auf dem Gelände seiner Fabrik ein Lager für seine Arbeiter, in dem viel bessere Bedingungen herrschten, als in allen anderen Lagern. Ebenso war die Verpflegung ausreichend für die tägliche Belastung durch die Arbeit.
Er selbst war sich nicht bewusst, dass er in jenen Tagen zu den bedeutendsten illegalen Ernähren von Gefangen gehörte. Er begann zu bestechen, zu drohen und zu bitten um seinen Arbeitern einigen "Komfort" zukommen zu lassen. Die Trennung von Mann und Frau war nicht so strikt wie in anderen Lagern, obwohl rund um das Lager Wachtürme standen, betrat die SS das Lager nur selten und die Fabrik nie. Er erlaubte seinen Arbeitern zu rauchen und beschaffte ihnen die Zigaretten, wenn eine Inspektion anstand ließ er durch einen Signalton die Arbeiter davon wissen.
Anfang Januar 1944 änderte sich die Situation, das Lager Plaszow wurde ebenso zum Konzentrationslager erklärt wie Schindlers Nebenlager Emalia und unterstand somit der Leitung der Amtsgruppe D des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes in Oranienburg bei Berlin. Damit komplizierte sich die Sache für Schindler. Wollte er jetzt etwas für seine Arbeiter tun, musste er nicht nur Göth (Führer des Lagers Plaszow) gütig stimmen, sondern auch Oberführer Scherner und er musste Kontakte zum Amt nach Berlin knüpfen. Dazu unternahm er eine Reise. Er verließ die Berlin mit der Zusicherung, dass sein Lager und die Arbeiter unbehelligt bleiben würden.
Als im Spätsommer 1944 das Lager Plaszow ebenso wie Emalia aufgelöst werden sollten, ließ ihn diese Nachricht genauso resignieren wie seine Arbeiter. Aber es hielten sich Gerüchte aufrecht, dass er seine Fabrik verlegen wollte und die Arbeiter mit. Für dieses Unternehmen sollte eine Liste erstellt werden, die berühmte SCHINDLER LISTE und kein Preis war zu hoch um auf diese Liste zu gelangen. "Die Liste ist das verkörperte Gute,...ist das Leben. Jenseits ... der Ränder liegt das Nichts." (a.a.O. S.246)
Allerdings gab es bei der Umsiedlung Probleme. Ca. 800 Männer wurden statt nach Brünnlitz (dem neuen Lager) nach Groß Rosen (KZ) geschafft. Nach mehreren Tagen musste der Schreiber der Liste diese aus dem Kopf erneut anfertigen. Schlimmer traf es den Transport der Frauen. Diese wurden nach Auschwitz-Birkenau verladen. Es dauerte einige Wochen bis Schindler herausfand, wo die Frauen geblieben waren und bis er sie herausholen konnte. Als sie Brünnlitz schließlich doch erreichten, empfing Schindler sie mit Suppe und Brot.
Während der Zeit in Brünnlitz fuhr Schindler mit seinen Tätigkeiten insofern fort, als dass er Lebensmittel für die Arbeiter besorgte und ebenso Waffen, damit sie nach Kriegsende den SS - Truppen bei deren letzten Verzweiflungstaten nicht ausgeliefert wären.
Als auf BBC die Nachricht der deutschen Kapitulation verkündet wurde, feierte Schindler mit seiner Frau und Itzahk Stern. Am nächsten Morgen hielt er vor seinen Arbeitern eine Rede, in der er ihnen ihre Befreiung mitteilte. Gleichzeitig forderte er die SS - Mannschaften auf, friedlich abzuziehen und kein Blutbad anzurichten. Diese befolgten seinen Wunsch und verließen bald darauf Brünnlitz.
Seine Arbeiter fertigten an diesem Tag den Ring für ihn an, andere verstecken in der Verkleidung seines Wagens Diamanten. Es war allen klar, dass Schindler fliehen musste, schließlich war er immer noch Parteimitglied. In der Nacht des 08.05.1945 verließ Schindler Brünnlitz.
Die Nachkriegszeit war für ihn weniger erfolgreich. Er ließ sich eine Zeitlang in Argentinien nieder, wo er Tiere (Nutrias) züchtet, deren Felle verarbeitet wurden. Nachdem er seine Farm schließen musste (die Felle wildlebender Nutria waren besser als die gezüchteter), arbeitete er als Handelsvertreter und kam so zurück nach Deutschland. Hier versuchte er sich mit einer Zementfabrik, ging allerdings 1961 wiederum bankrott. Als überlebende Schindlerjuden von seinem Unglück erfuhren, luden sie ihn nach Jerusalem ein.
So lebte er ab diesem Jahr immer ein geteiltes Leben. Einerseits ein halbes Jahr zurückgezogen in Frankfurt, das andere halbe Jahr glücklich und munter bei "seinen" Juden in Jerusalem. Dieses Leben führte er bis zu seinem Tod am 09.10.1974. Auf seinen Wunsch hin wurde er auf dem römisch -katholischen Friedhof in Jerusalem bestattet.
Zwei Jahre vor seinem Tod wurde in der Hebrew University ein Raum Schindler gewidmet, in dem ein Buch ausliegt, das seine Taten schildert und eine Liste mit allen geretteten Juden liegt darin aus.
1999 wurde auf dem Dachboden einer Wohnung ein Koffer gefunden. Diese Koffer enthielt die "Kehrseite" der Schindler Liste. Er hatte alles aufgeschrieben, war er der SS für Gefälligkeiten erwies, hatte alle Ausgaben für Lebensmittel penibel vermerkt. Insgesamt 2 Mio. Mark nach heutigem Wert hatte er für die Ernährung, die Bestechungen und die Geschenke ausgegeben.
"Seine Abrechnung setzt mit dem Jahr 1942 ein. ..., die Zahl seiner jüdischen Mitarbeiter steigt von 150 im Jahr 1940 auf 550 1942."(Der Spiegel; Nr. 42/16.10. 2000; S. 84) Es war die Zeit in der die Endlösung der Judenfrage bereits entschieden war. Schindler steht vor einer sehr schweren Entscheidung. Soll er die Juden in den Tod schicken oder ein eigenes Lager errichten? Er entscheidet sich für das eigenen Lager und allein 300.000 RM kostete der Bau der Wachtürme, 900.000 RM kostete die Verpflegung seiner Schützlinge.
Die SS - Männer versorgte er mit ca. 4000 l Schnaps und 30.000 kg Emaillewaren pro Jahr. Als er seinen Betrieb 1944 nach Brünnlitz verlegen wollte, "setzt ein reger Präsentkorb - Verkehr ein. ‚Ausländische Zigaretten, Zigarren, Schnäpse, Bohnenkaffee, Schinken wurden am schwarzen Markt zu astronomischen Preisen gekauft, um "Liebesgabenpakete" für die Herren erpresserischen Gönner zusammenzustellen', bilanziert Schindler" (a.a.O.; S. 85)
Allerdings führte er auch Aufzeichnungen über die Aktionen, bei denen Geld nicht half. Er stieß z. B. einen SS Mann durch eine geschlossene Glastür, weil er die Arbeiter schikaniert hatte.
In diesem Koffer waren genaue Auflistungen über alles was er für das Leben jener Juden getan hat. Somit ist dieser ein wichtiges historischen Dokument, auch für die überlebenden Juden. Es zeigt ihnen nur noch einmal, was dieser Mann für sie getan und geopfert hat. Obwohl manchmal Kritik an seinen Beweggründen auftritt, ob er es nur aus Eitelkeit tat oder damit er nach dem Krieg gefeiert wird, dürfte für die Überlebenden nicht so wichtig sein. Schließlich hat er, aus was für Gründen auch immer, 1200 Menschen das Leben gerettet. Im Gegensatz zu vielen anderen hat er etwas getan und nicht nur zugesehen.
Das macht ihn verdient zu einem "Gerechten unter den Völkern", eine besondere israelische Ehrung. Er durfte auf der Straße der Gerechten einen Baum pflanzen, der ein Schild mit seinem Namen trägt.
"Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt."
verfasst von: Katja N.